Digitalisierung20. Oktober 20264 Min. Lesezeit

Kundenportal statt E-Mail-Chaos: Wann lohnt es sich?

Rechnungen suchen, Auftragsstände nachfragen, Dokumente hin- und herschicken: Wann ein Kundenportal kleinen Unternehmen wirklich Arbeit abnimmt.

Von Benjamin Schulze

Ein Kunde braucht noch einmal seine Rechnung. Der nächste fragt, wie weit sein Auftrag ist. Und dann ruft jemand an, weil er die Unterlagen aus der letzten E-Mail nicht mehr findet.

Keine dieser Anfragen ist besonders kompliziert. Trotzdem kostet jede ein paar Minuten: E-Mail suchen, im richtigen System nachsehen, Datei heraussuchen, Antwort schreiben. Wenn sich solche Vorgänge regelmäßig wiederholen, kommt einiges zusammen.

Ein Kundenportal kann diese Arbeit reduzieren. Aber es ist nicht für jedes Unternehmen die richtige Lösung.

Woran man merkt, dass E-Mails nicht mehr ausreichen

E-Mail funktioniert gut, solange die Kommunikation überschaubar bleibt. Schwierig wird es, wenn ein Vorgang durch mehrere Hände geht oder dieselben Informationen immer wieder verschickt werden.

Vielleicht kennst du solche Situationen:

  • Ein Kunde fragt mehrfach nach dem Bearbeitungsstand, weil er ihn nirgends selbst einsehen kann.
  • Rechnungen und Dokumente liegen in verschiedenen Postfächern. Nicht jeder Mitarbeiter hat Zugriff.
  • Eine Bestellung kommt per E-Mail, wird in eine Tabelle übertragen und später noch einmal in ein anderes System eingetragen.
  • Änderungen an Kundendaten werden telefonisch durchgegeben und müssen anschließend von Hand nachgepflegt werden.
  • Nach einer Freigabe muss jemand daran denken, den Kunden zu informieren.

Das eigentliche Problem ist dabei selten die E-Mail selbst. Es fehlt ein gemeinsamer Ort, an dem Kunden und Mitarbeiter den aktuellen Stand finden.

Was ein Kundenportal leisten kann

Ein Kundenportal ist zunächst ein geschützter Bereich, in dem Kunden bestimmte Dinge selbst erledigen oder nachsehen können.

Was darin sinnvoll ist, hängt vom Unternehmen ab. Typische Funktionen sind:

  • Aufträge und Bestellungen: Kunden sehen, ob ein Vorgang eingegangen, in Bearbeitung oder abgeschlossen ist.
  • Rechnungen und Dokumente: Benötigte Unterlagen lassen sich herunterladen, ohne jedes Mal im Büro nachzufragen.
  • Stammdaten: Kontakt- oder Rechnungsdaten können bei Bedarf selbst aktualisiert werden.
  • Anfragen und Änderungen: Statt einer unstrukturierten E-Mail gibt es ein Formular mit den Informationen, die für die Bearbeitung benötigt werden.
  • Benachrichtigungen: Wenn sich ein Status ändert, kann das System eine Nachricht verschicken.

Das heißt nicht, dass jeder Kunde alles selbst machen muss. Wer lieber anruft, kann das weiterhin tun. Das Portal ist ein zusätzlicher Weg für Dinge, bei denen Selbstbedienung tatsächlich hilft.

Ein Beispiel: Von der Bestellung bis zur Freigabe

Stellen wir uns einen Dienstleister vor, bei dem Geschäftskunden Leistungen bestellen.

Bisher läuft der Ablauf so: Eine Bestellung kommt per E-Mail. Ein Mitarbeiter prüft die Angaben, fordert gegebenenfalls fehlende Informationen an und gibt die Bestellung frei. Danach wird der Kunde benachrichtigt. Später fragt er vielleicht nach seiner Rechnung oder den Zugangsdaten.

Mit einem kleinen Portal könnte derselbe Vorgang anders aussehen:

  1. Der Kunde gibt die Bestellung über ein Formular auf.
  2. Die Angaben landen direkt in der internen Übersicht.
  3. Der zuständige Mitarbeiter prüft und bearbeitet den Vorgang.
  4. Nach einer Freigabe erhält der Kunde automatisch eine Nachricht.
  5. Dokumente und der aktuelle Bearbeitungsstand sind im Portal einsehbar.

Das spart nicht automatisch jede Rückfrage. Es nimmt aber die manuellen Zwischenschritte heraus, die bei jeder Bestellung gleich ablaufen.

Vorhandene Software weiter nutzen statt alles neu bauen

Ein Portal muss nicht bedeuten, dass du deine Buchhaltung oder Auftragsverwaltung austauschst.

Im Idealfall verbindet es die Systeme, die bereits im Einsatz sind. Rechnungen können zum Beispiel aus einer vorhandenen Buchhaltungssoftware bereitgestellt werden. Bestellungen lassen sich an die interne Verwaltung übergeben, sofern passende Schnittstellen vorhanden sind.

Gibt es eine fertige Lösung, die genau das abdeckt, ist diese oft der sinnvollere Weg. Ein individuell entwickeltes Portal lohnt sich vor allem dann, wenn die eigenen Abläufe nicht gut in Standardsoftware passen.

Mehr zur Entscheidung zwischen fertigen und individuellen Lösungen findest du im Artikel Individuelle Software oder Standardsoftware – wann lohnt sich was?.

Wann sich der Aufwand rechnet – und wann nicht

Wer ein paar Kundenanfragen im Monat bekommt und sie problemlos beantwortet, braucht vermutlich kein eigenes Portal. Vielleicht reichen ein gut organisierter gemeinsamer Posteingang und eine zentrale Dokumentenablage.

Interessanter wird es, wenn dieselben Tätigkeiten täglich anfallen: Daten übertragen, Freigaben weitergeben, Unterlagen erneut verschicken oder Bearbeitungsstände telefonisch erklären.

Eine einfache Rechnung hilft bei der Entscheidung: Wie oft kommt ein Vorgang vor? Wie viel Arbeitszeit kostet er jeweils? Und welcher Teil davon ließe sich wirklich automatisieren?

Dabei gehören auch die Folgekosten auf den Tisch. Ein Kundenportal braucht sichere Zugänge, ein vernünftiges Berechtigungssystem, Wartung und gegebenenfalls die Pflege von Schnittstellen. Die Daten müssen zuverlässig geschützt werden.

Lieber mit einem überschaubaren Ablauf starten

Ein Kundenportal muss nicht direkt zwanzig Funktionen bekommen. Oft reichen zunächst drei Dinge: Bestellungen einsehen, Dokumente herunterladen und Kontaktdaten ändern.

Wenn dieser Teil im Alltag funktioniert und tatsächlich Arbeit spart, kann man weitere Aufgaben ergänzen.

Gute Software macht nicht möglichst viel. Sie nimmt dir die Arbeit ab, die du nicht jedes Mal wiederholen möchtest.

Am Ende geht es nicht darum, den persönlichen Kontakt zu ersetzen. Im Gegenteil: Wenn einfache Standardanfragen weniger Zeit kosten, bleibt mehr Raum für Gespräche, bei denen ein Mensch wirklich gebraucht wird.

Wenn du solche Abläufe in deinem Unternehmen vereinfachen möchtest, findest du weitere Beispiele auf meiner Seite Software für Handwerksbetriebe. Oder wir schauen gemeinsam, ob bei dir ein fertiges System ausreicht oder eine individuelle Lösung sinnvoll wäre.

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